Gibt es Empfehlungen zum Umgang mit Zahnbürsten in Kindergemeinschaftseinrichtungen?
Die Mundhöhle gehört zu den am intensivsten bakteriell besiedelten Regionen des Menschen. Zudem ist sie durch die Aufnahme von Nahrung gegenüber Mikroorganismen aus der Umwelt grundsätzlich exponiert. Im Kindergarten kommt es bekanntermaßen durch Speichel- oder Tröpfcheninfektion immer wieder zu Ansteckungen, wenn sich Kinder anniesen oder anhusten. Auch beim Spielen kommt es z. B. durch Spielzeug in den Mund stecken immer wieder zu Keimübertragungen, die mitunter zu Infekten führen können.
Erfahrungsgemäß werden die dabei übertragenen Keime rasch von der körpereigenen Infektabwehr eliminiert. Dieses Abwehrsystem unseres Körpers beginnt in der Mundhöhle und verhindert, dass jeder Kontakt mit Infektionserregern auch tatsächlich eine Erkrankung nach sich zieht.
Auch die benutzte Zahnbürste ist nach dem Zähneputzen mit Mikroorganismen kontaminiert, die üblicherweise zur normalen Schleimhautflora des Mundes gehören. Eine anschließende Vermehrung von Bakterien und Pilzen soll durch gründliches Ausspülen der Bürste mit Leitungswasser und Trocknung bei Raumtemperatur vermieden werden. Dennoch können Keime mit der Zahnbürste weitergegeben werden, genauso wie mit Spielzeug oder durch persönlichen Kontakt sowie in Form von Speichel- und Tröpfcheninfektionen.
Aus diesem Grund haben sich eine Vielzahl von Studien mit der Frage beschäftigt, ob eine Infektionsgefährdung von der Zahnbürste ausgeht. Sie kommen zu dem Schluss, dass eine Gefahr für die Übertragung gefährlicher Krankheitserreger beim Verwechseln von Zahnbürsten nicht ersichtlich ist. Es sind keine Berichte über virale oder bakterielle Infektionen beim Verwechseln von Zahnbürsten mitgeteilt worden.
Zahnbürsten sind keine Medizinprodukte, sondern Bedarfsgegenstände des täglichen Lebens, für die die Kosmetikverordnung und übergeordnet das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz gilt. Die Borstenstruktur handelsüblicher Zahnbürsten ist so gestaltet, dass sie aus glatten, gerundeten Nylonborsten bestehen und somit die Anheftung von Mikroorganismen erschweren. Zudem besitzen Zahnpasten viele Bestandteile, die eine antimikrobielle Wirksamkeit besitzen und eine Hemmung des Wachstums oraler Keime bewirken.
Für das tägliche Putzen im Kindergarten sollten folgende Regeln beachtet werden.
o Jedes Kind hat seine eigene Zahnbürste und seinen eigenen Becher. o Nach dem Zähneputzen sollte die Bürste gut unter fließendem Wasser ausgespült werden. o Aufbewahrung stehend mit dem Kopf nach oben bei Zimmertemperatur. o Zahnbürsten müssen spätestens nach drei Monaten gewechselt werden, denn abgenutzte bzw. zerkaute Bürsten haben eine schlechtere Reinigungswirkung.
Nur in den Fällen, in denen die Besorgnis der Eltern von Kindergartenkindern über eine mögliche Weitergabe von Krankheitserregern durch vertauschte Zahnbürsten nicht anderweitig zerstreut werden kann, besteht die Möglichkeit der Reinigung und weitgehender Keimbefreiung in der Spülmaschine, obwohl diese im Temperaturbereich von unter 60° C nicht die hygienischen Anforderungen für Medizinprodukte erfüllen. In Kindergärten kommt deshalb folgendes Verfahren als praktikables Vorgehen in Betracht: Freitags werden die namentlich gekennzeichneten Zahnbürsten in der nur mit diesen beladenen Spülmaschine gereinigt, getrocknet, gegebenenfalls neu gekennzeichnet und stehen montags wieder zum Zähneputzen zur Verfügung.
Dresden. Fast jeder zweite Sechsjährige in Sachsen hat ein naturgesundes Gebiß. 49,6% der zwölfjährigen Schulkinder sind heute frei von Karies, das sind doppelt so viele Kinder wie vor sieben Jahren. Diese Zahlen legte die Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (LAGZ) des Freistaates Sachsen e.V. anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens vor. Aber noch rund 20 % der Kinder gehen nie zum Zahnarzt. Eine Lösung biete hier die Gruppenprophylaxe, bei der Zahnärzte direkt in Kindergärten und Schulen gehen.
Nach Aussage von Dr. Thomas Kühn, Vorsitzender der LAGZ Sachsen, wurden somit im vergangenen Jahr 288 300 Kinder in knapp 4000 Einrichtungen mindestens einmal pro Jahr betreut. Seit 1992 konnte der Betreuungsgrad von 34 % auf 82 % gesteigert und eine stete Verbesserung der Zähne bei Schulkindern registriert werden.
Problematischer sieht es dagegen bei Milchzähnen aus. Als einen Grund dafür nannte Prof. Dr. Alfred Treide, von der Universität Leipzig, die Saugflaschenkaries. Bei rund 10 Prozent der Kleinkinderzähne kommt es durch permanente Zuckerzufuhr zur Schädigung. Nach Treide finden sich die gesündesten Zähne Sachsens in Meißen. Oschatz belegte den letzten Platz. Im Vergleich mit anderen Bundesländern befindet sich Sachsen im vorderen Mittelfeld.
Ihr Jubiläum feiert die LAGZ am ersten Juni von 9.30 bis 14.30 Uhr im Elbepark ein Zahnputzfest „Schrubber gegen Bürste\" mit einem Programm rund um die Zahngesundheit. (DNN 31.05.2002/ fro)
Karies auf dem Rückzug Jugendzahnpflegeverein zieht positive Bilanz nach zehn Jahren Arbeit
Dresden. Die Zahngesundheit sächsischer Kinder und Jugendlicher hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Zu dieser Einschätzung kommt die Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege Sachsen (LAGZ). Der Verein begeht in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum.
Den Angaben der LAGZ nach hat ungefähr jeder zweite sächsische Schulanfänger ein kerngesundes Gebiss ohne Karies (siehe Grafik). In den Klassenstufen 1 bis 6 habe sich die Karies-Verbreitung innerhalb von sieben Jahren halbiert. Der Verein führt das auch auf seine Arbeit der vergangenen Jahre zurück: Zahnärzte besuchen im Auftrag der LAGZ Kindergärten und Schulen. Die etwa 690 Mediziner erreichen dabei über 80 Prozent der Kinder in den Einrichtungen. Schwerpunkte der Arbeit sind dabei das Vermitteln von Mundhygiene und gesunder Ernährung sowie Verweisungen zu Zahnärzten.
Finanziert werden diese Gruppenuntersuchungen hauptsächlich von den Krankenkassen. Diese haben seit 1993 insgesamt rund 10,7 Millionen Euro in das Projekt gesteckt, je zur Hälfte für Sachkosten sowie Honorare. Den Verwaltungsaufwand von 180 000 Euro jährlich teilen sich Krankenkassen und ärztliche Vereinigungen. Sorgen bereite den Zahnmedizinern immer noch eine Gruppe von 20 Prozent der betreuten Kinder, auf die 80 Prozent der Karies-Fälle entfalle, sagte der Leipziger Professor Alfred Treide. Meist seien dies Kinder aus unteren sozialen Schichten. Dennoch zeigte sich Treide optimistisch: „Unser Ziel ist es, dass wir in fünf bis zehn Jahren sagen können: Karies ist besiegt.\" (SZ 31.05.2002/no)