Bei uns in der Kita, na klar!
Das Fundament für das Erlernen wichtiger
Lebenskompetenzen wird schon in den
Kindertageseinrichtungen gelegt. So auch
im Bereich der somatischen Bildung, die
ein Bestandteil des Sächsischen
Bildungsplanes ist.
Besonderes Augenmerk erhält dabei die
Beschäftigung mit gesundheitsrelevanten
Themen, wie die tägliche Mundhygiene,
die schon frühzeitig zu einer gesunden
Entwicklung beiträgt.
In vielen Kindertageseinrichtungen ist
deshalb das tägliche Zähneputzen nach
dem Frühstück und/oder dem gemeinsamen
Mittagessen seit Jahren
selbstverständlich.

Doch leider beobachten wir auch in
Sachsen, dass es Kindergärten gibt, die
von heute auf morgen das Zähneputzen
eingestellt haben.
Begründet wird das u.a. mit einem zu
hohen Lärmpegel, unzureichenden
hygienischen Bedingungen im Waschraum,
Infektionsgefahr durch vertauschte
Bürsten, zu wenig Personal, und der
Empfehlung von Zahnärzten nach dem
Verzehr von säurehaltigem Essen und
Getränken keine Zähne zu putzen.
Verbreitet ist auch die Auffassung, dass
die Mundgesundheit des Kindes,
Erziehungsaufgabe der Eltern sei.
Die Argumente der Erzieherinnen nehmen
wir sehr ernst. Dennoch möchten wir
einige Lösungswege aufzeigen, um das
tägliche Zähneputzen wieder einzuführen.
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass
eine effektive und notwendige
Mundhygiene in der Hauptverantwortung
der Eltern liegt. Die Eltern müssen
dafür sorgen, dass die Kinder morgens
und abends sauber geputzte Zähne haben.
In vielen Familien ist das auch
selbstverständlich.
Aber für Kinder, die in Familien leben,
wo Zahnpflege keine oder nur eine
geringe Rolle spielt, ist das tägliche
Zähneputzen in der Einrichtung
unverzichtbar. Hier trägt das gemeinsame
Putzen in der Gruppe durch seinen
Mitzieheffekt zur Bewusstseins- und
durch das ständige Üben zur
Gewohnheitsbildung bei. Dadurch wird bei
dem Kind frühzeitig die Kompetenz
gefördert, selbständig für die eigene
Gesundheit zu sorgen.
Kinder, die über einen Zeitraum von
mehreren Jahren das Zähneputzen als
Selbstverständlichkeit erlebt haben,
greifen auch zuhause von sich aus zur
Zahnbürste. Auch dann wenn die Eltern
die Mundhygiene nicht aktiv
unterstützen.
Der wertvolle Beitrag, den die
Erzieherinnen bei dieser
Kompetenzentwicklung leisten, kann
deshalb nicht genug gewürdigt werden.

Klare und konsequente Regeln beim
täglichen Zähneputzen nach einem
bestimmten und immer wiederkehrenden
Ritual erleichtern den Ablauf. So
bekommt man auch ein Durcheinander und
einen erhöhten Lautpegel schnell in den
Griff.
Dass jedes Kind seine eigene Zahnbürste
hat, die nach jedem Gebrauch gründlich
ausgespült wird, sollte
selbstverständlich sein. Zur
Zahngesundheitserziehung gehört auch der
Umgang mit den Zahnputzutensilien, der
mit den Kindern trainiert werden kann.
Die Gefahr einer Infektion durch eine
vertauschte Zahnbürste ist nicht
wesentlich größer als bei anderen
Tagesabläufen im Kindergartenalltag
auch.
Beim gemeinsamen Spielen durch das in
den Mundstecken von Spielzeug, beim
gemeinsamen Essen und den Tausch der
Butterbrote, durch Niesen und Anhusten
kann es ebenfalls zu Keimübertragungen
und Ansteckungen kommen. Nach einer
Grippeerkrankung o.ä. und spätestens
nach zwei Monaten sollten die
Zahnbürsten gewechselt werden.
Was hat es nun mit der Empfehlung von
Zahnärzten auf sich, die Zähne nach dem
Verzehr von säurehaltigem Essen erst
nach frühestens 30 Minuten zu putzen?
Kommen Zähne immer wieder in Kontakt mit
Säuren aus Nahrungsmitteln, Getränken
oder dem Magen, kann dies zu einer
schichtweisen Auflösung der
Zahnoberfläche führen, auch Erosionen
genannt. Die angeätzte Zahnhartsubstanz
würde durch sofortiges Zähneputzen nach
und nach weggeputzt werden.
Diese Erosionen entstehen aber, wenn der
Schmelz dauerhaft und permanent mit den
Säuren in Kontakt kommt. Als Beispiele
können hier der häufige Verzehr von
Zitrusfrüchten oder Softdrinks und das
Dauernuckeln an den Softdrinkflaschen
genannt werden.

Bei normalen und vernünftigem Essen
und Getränken in gewohnten Abständen ist
die Gefahr der Erosionsbildung gering.
Deshalb ist für Kinder das Zähneputzen
nach den Hauptmahlzeiten und Süßem
weiterhin notwendig, auch wenn es zum
Mittagessen einen Saft oder Obstsalat
gegeben hat. Und wenn sich die Gruppe im
Waschraum zum gemeinsamen Zähneputzen
zusammengefunden hat, ist auch schon
genügend Zeit vergangen.
Wichtig bei allen Bemühungen ist es
aber, dass alle Beteiligten an einem
Strang ziehen.
Eltern und Erzieher sollten sich einig
sein, dass nur gemeinsame Anstrengungen
im Kindergarten und zuhause den Kindern
eine Chance auf ein Leben mit gesunden
Zähnen ermöglichen.
Birte Bittner
Literaturangaben “Mein Kindergarten will
Zähneputzen“, A. Thumeyer, 2005, Verlag:
Verein für Zahnhygiene
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